Die Jahreszeiten kommen und gehen, und manchmal hat man das Gefühl, dass sie uns keine Pause gönnen wollen. Alles passiert viel zu schnell, und die Dinge um uns herum ändern sich in Windeseile. Oft bleibt uns dabei auch keine Zeit zum Innehalten, und es geht weiter, ohne dass wir die Möglichkeit haben, durchzuatmen und kurz innezuhalten. Vielleicht sollten wir uns deshalb mehr Zeit nehmen, um das zu würdigen, was wir haben und was wir erleben dürfen. Wenn Jahre und Monate nur noch wie Tage und Stunden erscheinen, und der Lauf der Zeit immer schneller zu werden scheint, muss man sich manchmal einfach zwingen, stehenzubleiben.
Es ist ausdrücklich erlaubt und sogar es wird sogar empfohlen, sich unzudrehen und zurückzublicken. Wenn man richtig hinschaut, erkennt man, dass eine ganze Menge passiert ist und man recht viel erlebt hat, was droht, bei dem Tempo, das wir normalerweise an den Tag legen, in Vergessenheit zu geraten. Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder der vielen Dinge zu besinnen, die man gesehen hat und denen man begegnet ist. Das Morgen und das Heute sind nur komplett, wenn man das Gestern dabei nicht aus den Auge verliert. Und oft sind es genau solche Rückblicke, die wir brauchen, um uns in einer gesunden Stimmung zu halten.
Und daher blicke ich heute kurz zurück auf einen winterlichen Ausflug, den wir vor einiger Zeit gemacht hatten. Wir waren in der Nähe einer größeren Süßwasserlagune, welche insbesondere im Winter das Ziel vieler Ornithologen geworden ist. Hier an diesem Gewässer können Vogelkundler eine ganze Menge an Wasservögeln entdecken, die im Winter aus dem noch kälteren hohen sibirischen Norden den Weg nach Japan gefunden haben, wo es scheinbar in dieser Jahreszeit weniger unangenehm zu sein scheint. Nun ja, wenn ich Vogel wäre, wäre ich noch ein paar Stunden weitergeflogen. Dorthin, wo die Temperaturen ein wenig höher sind und sich auch die Sonne ein bisschen öfter zeigen tut. Aber nun ja, vielleicht hat das ja den vielen Gänsen und Schwänen, die hier ihr Winterquartier bezogen haben, nur keine verraten.
Wir waren nicht unbedingt wegen der Vögel gekommen, sondern hatten uns einfach einen kleinen Ausflug gegönnt. In der Stadt lag zu dieser Zeit kein Schnee, aber auf dem Land sah es schnell ganz anders aus. Hier fand man eine geschlossene Schneedecke, welche der ganzen Gegend ein ganz besonders schickes Kleid verpasst hatte.
Wir hatten an jenem Tag auch wirklich Glück mit dem Wetter, denn der Himmel zeigte sich von einer äußerst blauen Seite, was für diese Jahreszeit recht ungewöhnlich ist. Normalerweise ist es im Winter bei uns eher grau und wolkenverhangen, aber diesmal hatten wir wohl den perfekten Tag ausgesucht, um mal wieder aus dem Haus zu kommen.
Neben der Lagune, direkt am Straßenrand, entdeckte ich einen kleinen Schrein, welche sofort mein Interesse weckte. Wie schon einige Male hier geschrieben, zieht es mich immer wieder zu all den vielen kleinen und größeren Schreine und auch Tempeln, denen ich auf meinen Wegen begegne. Es ist immer wieder interessant, solche Orte zu erkunden, bekommt man hier doch ein größeres Verständnis von dem Land und den Menschen, die hier leben.
Wie üblich war es wohl zuerst das rote Toori, das meine Aufmerksamkeit erregte. Der weiße Schnee und der blaue Himmel ließen es noch heller leuchten als sonst, und nachdem ich zuerst vorbeigefahren war, musste ich doch noch einmal zurückkommen und anhalten. Letztendlich wollte ich ja auch nichts verpassen und die Gelegenheiten ergab sich nun einmal genau in diesem Augenblick.
Bei späterer Recherche stellte ich fest, dass es sich hier um den Ogatainari Jinja 小潟稲荷神社 handelt, einem kleinen lokalen Schrein, der unter anderen den Arbeitern gewidmet ist, welche hier früher Schilfrohr geerntet hatten. Viele Informationen habe ich leider nicht über diesen Schrein finden können, aber die Statue im Eingangsbereich scheint zumindest einen Schilfrohrbauern abzubilden.
Die ganze Anlage war nicht sehr groß und ich nehme auch an, dass hier wohl größtenteils lokale Besucher vorbeikommen. Die meisten Menschen, die auf der Straße vor dem Schreingelände unterwegs sind, werden hier wohl eher nicht anhalten, um sich einmal umzusehen. Aber für mich war das vielleicht um so mehr ein Grund, diesen Schrein zu erkunden.
Ich lief deshalb weiter und im Inneren der Anlage fand ich ein weiteres Toori, und gleich dahinter stand dann das eigentliche Schreingebäude.
Alles wirkte kompakt, aber doch sehr gepflegt und einladend, was wohl auch an dem tollen Wetter lag, welches uns an jenem Tag begleitete. Bei blauem Himmel sieht unsere Welt immer etwas schöner aus als sonst, und es macht viel mehr Spaß, sie zu entdecken und zu erkunden.
Im Schreingelände hab es auch noch einige Monumente und Statuen, die eher buddhistischen Hintergrund hatten. Hier in Japan kommt es oft vor, das Shintoismus und Buddhismus nebeneinander funktionieren und auch im Alltag der meisten Menschen schaffen es die beiden Religionen, sich zu ergänzen und miteinander zu harmonieren.
Und deshalb steht wohl hier in diesem Shinto-Schrein diese buddhistische Kannon-Statue, und kein japanischer Besucher wird sich daran stören. Und auch bin recht froh über diesen Synkretismus, denn in anderen Teilen unseres Planeten sieht es diesbezüglich leider ganz anders aus.
Meine Runde durch die Anlage war schnell wieder vorbei und ich stand nun wieder vor dem roten Toori und schaute nach draußen Richtung Straße. Auch wenn es hier vielleicht nicht so viel zu entdecken gab, war ich doch froh, kurz angehalten und meine Neugier nachgegeben zu haben. Es sind doch genau diesen kurzen Stopps, die mich immer wieder neue Orte entdecken lassen und mir das Land der aufgehenden Sonne von einer Seite näherbringen, die auch viele Japaner gar nicht entdecken würden. Vieles nimmt man einfach für alltäglich, als das man sich die Mühe machen möchte, näherzukommen und genauer hinzuschauen, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich meist doch lohnen tut.
Mir zumindest macht es auch nach einigen Jahren immer noch Spaß, Japan, dieses so interessante und immer auch noch etwas geheimnisvolle Land hier im Fernen Osten zu erkunden. In den letzten Jahren sind wir zwar meist auf kurze Ausflüge beschränkt und schauen uns eher in unserer mittelbaren und unmittelbaren Umgebung um, aber auch dort gibt es eine ganze Menge zu sehen. Und es macht immer noch großen Spaß, an Orten wie diesem hier vorbeizukommen und jedes Mal etwas Neues entdecken zu können.
Und davon werde ich euch weiterhin gerne berichten. Schaut also unbedingt bald wieder vorbei, wenn es neue Bilder und Eindrücke aus dem Land der aufgegenden Sonne zu sehen gibt, damit ihr auch ja nichts verpassen werdet....